Kapelle von Prarreyer

Historische Anlage und Denkmal, Religiöses Erbgut, Kapelle Um Prarreyer - Versègères

  • Niklaus von Flüe gewidmet

  • Vor den 1940er-Jahren besass der Weiler keine Kapelle. Kein Engel des Herrn, sagt der Poet, weckte die Bauern in der Früh; keiner sagte ihnen, dass der Tag vorbei sei. Während ringsherum die Kirchen und Kapellen von Bruson, Le Châble, Serreyer, Versegères, Champsec und Médières sie mit ihrem Glockengeläut erfreuten, blieb Prarreyer stumm. Ein christliches Dorf leidet unter dieser Stille. Der Pfarrer litt mit dem Dorf: Louis-Marie Ducrey, von dem man bei seinem Tod sagen konnte: Eine Flamme...
    Vor den 1940er-Jahren besass der Weiler keine Kapelle. Kein Engel des Herrn, sagt der Poet, weckte die Bauern in der Früh; keiner sagte ihnen, dass der Tag vorbei sei. Während ringsherum die Kirchen und Kapellen von Bruson, Le Châble, Serreyer, Versegères, Champsec und Médières sie mit ihrem Glockengeläut erfreuten, blieb Prarreyer stumm. Ein christliches Dorf leidet unter dieser Stille. Der Pfarrer litt mit dem Dorf: Louis-Marie Ducrey, von dem man bei seinem Tod sagen konnte: Eine Flamme hob seine Predigten empor und eine andere Flamme liess die Kapellen aus dem Stein spriessen …


    Allerdings brauchte es Mut, um während einer Zeit, in der der Krieg in vollem Gange war – die Kapelle wurde 1942–1943 gebaut – ein solches Unternehmen zu wagen.


    Eine Kapelle bauen? Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt, wenn alle Arbeitskräfte mobilisiert und die wichtigsten Materialien rationalisiert sind? Aber sicher! Trotz des Krieges, trotz der Vorbehalte, sogar solcher, die von hoher Stelle kamen, wuchs die Kapelle aus dem Boden. Passend wurde sie Niklaus von Flüe gewidmet, dem vom Vaterland beigezogenen Beschützer. Wie der Pfarrer Ducrey sagte: «Was nützt es, die Grenzen zu bewachen, wenn man im Landesinnern nicht die Beschützer des Landes anzurufen weiss!»


    Bei der Gelegenheit scheute der Architekt Zimmermann nicht davor zurück, mit Traditionen zu brechen. Mit ihrer runden Form gleicht die Kapelle von Prarreyer kaum den anderen Walliser Kapellen; sie ähnelt eher den Bauten jenseits der Alpen. Die Freske des Genfers und Savièsers Albert Chavaz zeugt von einem Reichtum an Schattierungen und einer ziemlich speziellen Komposition. Vergessen wir nicht die Handwerker, die das grosse Werk vollbrachten: das Unternehmen Maurice Vaudan mit dem Maurermeister Brouchoud.


    Der Glockenturm beherbergt eine kleine Glocke, die die Namen ihrer Taufzeugen trägt, Berthe Vaudan und Emile Roduit, sowie die Inschrift: Michelle-Irène, Implore la paix et l’unité pour le peuple suisse – 1943 (Bitte um Frieden und Einheit für das Schweizer Volk). Letzen Endes, um den Stiftsherren und Poeten Marcel Michellod zu zitieren, ist die Kapelle von Prarreyer ein Schmelztiegel von Ideen. Sie vereint die romanische Erfahrung mit dem von kleinen runden Fenstern durchbrochenen Rundbau, die Versuche der Renaissance, ersichtlich in der reich geschmückten Kassettendecke, die Kühnheit der Moderne mit dem auf der ganzen Höhe offenen Glockenturm und schliesslich die modernste Kunsttechnik mit der wunderbaren Freske von Chavaz, die uns zu den Meistern der Epoche von Giotto befördert.


    «Eine Kapelle! Was für ein Glück für ein Dorf!», rief Monsignore Grand, bischöflicher Vikar, bei der Segnung des Gebäudes am 14. November 1943. Wir wollen Pfarrer Ducreys Wunsch wiederholen, dass aus der Kapelle von Prarreyer gleichsam einem neuen Ranft glückselige Flüsse des Friedens über das Land strömen und dass der heilige Niklaus von Flüe in diesem kleinen Weiler im Val de Bagnes seine versöhnlichen Hände über die Generationen hält.


    Einer von Prarreyer


    PS Seit 1943 wurden an der Kapelle von Prarreyer einige Änderungen vorgenommen. Zuerst war es die Verlegung eines modernen Kreuzweges in Form einer Dornenkrone. Das Werk von Anton Mutter von Naters soll das Mysterium Christi ausdrücken, der unsere Leiden teilt und uns zu Ruhm und Auferstehung führt. Die Figuren sind aus geschnittenem und gehämmertem Eisen, während die Neigung des Kreuzes aus Lärchenholz den Schmerz jeder Station ausdrückt.


    Das fragile, während des Kriegs gebaute Dach musste 1972 verstärkt werden und damit die Glocke drei Mal am Tag läutet, musste zu elektromechanischen Mitteln gegriffen werden.
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