Col du Lein, Sentier des Mines, Col du Tronc: ein Tag in drei Etappen

Unterwegs auf der Route der drei Pässe

Der Duft von Lärchenharz. Das Bimmeln einer Kuhglocke in der Ferne. Der Geruch von frischem Käse vor einem Alpbeizli. Zwischen dem Col du Lein und dem Col des Planches, vor den Toren von Verbier und dem Val de Bagnes, kann ein einziger Tag all das vereinen. Drei Stationen, die sich ergänzen: Le Lein, der Sentier des Mines und Le Tronc. Eine Wanderung in deinem eigenen Rhythmus, zwischen Weiden, vergessenen Stollen und grosszügig gedeckten Tischen.

Col du Lein @ Arno Roux
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Col du Lein @ Arno Roux

Mitten in den Lärchen von Le Lein

Nur wenige Minuten, nachdem du das Tal verlassen hast, tauchst du in eine andere Welt ein. In Le Lein liegen die Weiden zwischen herrlichen Lärchenwäldern, die im Sommer Schatten und Kühle spenden. Mitten in dieser friedlichen Kulisse liegt die Alp. Hier begegnen sich die ganze Saison über Eringerkühe, Wandernde und Liebhaber regionaler Küche.

Le Lein ist mit dem Auto oder zu Fuss gut erreichbar: ab Sembrancher, wenn du deine Waden fordern willst, oder ab Le Levron für eine kürzere Variante. Zudem ist es ein guter Zwischenhalt, wenn du die Wege zwischen dem Col du Lein, der Alp Le Tronc und dem Col des Planches erkundest. Doch bevor du wieder aufbrichst, nimm dir Zeit für das, was den Charme dieses lebendigen Ortes ausmacht.

Im Rhythmus der Herde

Wenn du früh ankommst, erlebst du einen der Höhepunkte des Tages. Gegen 7 Uhr verlassen die Eringerkühe die Ställe und ziehen auf die Weiden rund um die Alp. Später, gegen 11 Uhr, kehren sie in die Nähe zurück, bevor sie wieder aufbrechen und den Tag in der Umgebung verbringen. Genau dann kannst du sie am besten beobachten.

Florent Farquet führt das Alpbeizli Le Lein und die Alp und wacht heute über mehr als 120 Eringerkühe. Für ihn haben diese Momente nichts von ihrem Zauber verloren. « Es ist fabelhaft, sie gemeinsam zu sehen, diese Dynamik zwischen ihnen und mir. Ich liebe diese Momente. » Der junge Züchter, der in Le Levron aufgewachsen ist, kennt fast jedes Tier.

Seit seiner Kindheit träumte er davon, eine Alp zu übernehmen. Heute lebt er diesen Traum jeden Tag, an einem Ort, mit dem er tief verbunden ist. « Was ich wirklich liebte, war der Kontakt mit der Natur, die Unabhängigkeit, die Kühe. » Wenn du die Herde zwischen den Weiden und den prächtigen Lärchen beobachtest, verstehst du schnell, was ihn begeistert hat.

Ein Terroir zum Geniessen

Während die Kühe weiden, geht das Leben auf der Alp weiter. Am Morgen widmet sich Florent auch der Käseherstellung. Im Produktionsraum verwandeln sich unter seinem aufmerksamen Blick nach und nach mehrere hundert Liter Milch. In diesen präzisen Handgriffen steckt viel Know-how. Daraus entstehen die Spezialitäten, die vor Ort angeboten werden.

Hinter der Theke ist Sébastien oft das erste Gesicht, dem du in Le Lein begegnest. Er gibt Besucherinnen und Besuchern gerne Auskunft und den einen oder anderen Tipp.

 

Für dich heisst es jetzt vor allem: entdecken und geniessen. Mach es dir auf der Terrasse gemütlich und lass die Umgebung auf dich wirken. Auf der Karte stehen alpine Aromen im Mittelpunkt. Ein grosszügiges Angebot, das die regionalen Produkte aus dem Val de Bagnes in Szene setzt. Wirf vor dem Aufbruch unbedingt einen Blick in die Verkaufsecke. Der Sérac gehört zu den gefragtesten Produkten. Tommes, Alpkäse, Honig, Eier und weitere regionale Produkte lassen das Erlebnis auch zu Hause noch etwas nachklingen.

 

Auf den Spuren der Bergleute vom Mont Chemin

Alte Stollen, geheimnisvolle Schalensteine, Lärchenwälder und ein kleiner Minenwichtel: Der Sentier des Mines vereint alles, was einen gelungenen Familienausflug im Val de Bagnes ausmacht. Der rund fünf Kilometer lange Rundweg startet am Col des Planches. Er lädt dich ein, ein faszinierendes Erbe zu entdecken und dabei eine angenehme Bergwanderung zu geniessen.

Der Sentier des Mines zeigt sich nicht sofort. Halte auf dem Parkplatz am Col des Planches nach den Wegweisern Ausschau, die den Start markieren. Überquere den Platz, folge kurz der Strasse und geh dann Richtung Alpbeizli Col des Planches. Hier liegt eine der Besonderheiten der Route: Um auf den Weg zu gelangen, gehst du mitten durch dieses hübsche, blumengeschmückte Beizli. Ein Halt, der sich schon vor oder nach der Wanderung lohnt. Die Familie Schildknecht führt das Alpbeizli am Col des Planches seit 47 Saisons, und es ist bei Wandernden sehr beliebt. Mit seinen hausgemachten Spezialitäten und Alpprodukten lädt es ganz selbstverständlich zur Pause ein.

Schon bald führt der Weg in die herrlichen Lärchenwälder des Mont Chemin. Auf der ganzen Strecke begleitet Kobold, der kleine Minenwichtel, die Besucher von Tafel zu Tafel. Die Kinder folgen dieser verschmitzten Figur mit Begeisterung, während sie die Geheimnisse des Berges lüftet. Unterwegs entdeckst du eine oft unbekannte Geschichte. Über Jahrhunderte suchten Menschen in diesen Bergen nach Blei, Silber, Eisen und später nach Flussspat. Mehrere Stollen zeugen noch heute von dieser Tätigkeit, die den Hang nachhaltig geprägt hat. In La Crettaz erinnert eine ehemalige Blei- und Silbermine an diese Zeit. Weiter vorne erzählen die Tafeln, wie der lange unbeachtete Flussspat seinerseits zu einem begehrten Rohstoff wurde. Du erfährst auch die Geschichte der Eisenmine von Chez Larze, deren Abbau während des Zweiten Weltkriegs einen neuen Aufschwung erlebte. Anekdoten und Illustrationen lassen dich den Alltag dieser Männer erahnen, die oft unter harten Bedingungen arbeiteten. Je weiter du gehst, desto mehr wird dir bewusst, wie lange diese heute so friedlichen Berge ein Ort der Arbeit und des Bergbaus waren.

Steine, die ihr Geheimnis bewahren

Der Sentier des Mines erzählt nicht nur von Stollen und Erzen. In der Nähe des Col des Planches ziehen mehrere Schalensteine die Blicke auf sich. In diese geheimnisvollen, mehrere Jahrtausende alten Findlinge sind Vertiefungen eingearbeitet, deren Zweck bis heute unbekannt ist. Dienten sie für Rituale? Zur Zubereitung oder Aufbewahrung von Nahrung? Es gibt viele Hypothesen, doch keine konnte sich bisher durchsetzen. Gerade dieses Rätsel macht ihre Entdeckung so faszinierend und lässt der Fantasie freien Lauf.

Ein Ausflug für die ganze Familie

Der Weg führt auch durch herrliche bewaldete Weiden, auf denen die Lärchen seit Generationen die typische Landschaft des Mont Chemin prägen. Halte unterwegs die Augen offen: Die Natur hat sich einige der alten Minen zurückerobert. In den verlassenen Stollen finden heute mehrere Fledermausarten Unterschlupf. An den sonnigen Hängen leben Eidechsen, Blindschleichen und andere unauffällige Bewohner. Die gute Nachricht: Der Sentier des Mines weist keine besonderen Schwierigkeiten auf. Der rund fünf Kilometer lange Weg ist in gemütlichem Tempo in knapp zwei Stunden zu schaffen. Der Höhenunterschied ist gering und der Weg grösstenteils flach. Ein Ausflug für die ganze Familie.

Alp Le Tronc

Nur wenige Minuten vom Col des Planches und vom Col du Lein entfernt liegt die Alp Le Tronc. Eine dieser Adressen, die du einmal entdeckst und dann immer wieder besuchst. Sie ist zu Fuss wie mit dem Auto erreichbar und begeistert Liebhaber regionaler Produkte ebenso wie alle, die sich gerne Zeit lassen. Hier musst du dich nicht zwischen Wanderung, Einblick in die Berglandwirtschaft und genussvoller Pause entscheiden. Alles ist am selben Ort möglich. Le Tronc gehört zu den Orten, an denen du für einen Kaffee oder ein Stück Käse anhältst … und am Ende oft länger bleibst.

Dank einer umfassenden Renovation, die 2024 abgeschlossen wurde, hat die Alp neuen Schwung erhalten. Die Gebäude hatten seit den 1950er-Jahren keinen grösseren Umbau mehr erlebt. Sie wurden modernisiert, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Zukunft des Betriebs zu sichern, ohne den Geist des Ortes zu verlieren. Auch das farbenfrohe Wandbild an der Stallwand, das die Gäste begrüsst, erstrahlt in neuem Glanz. Und das Alpbeizli ist heute komfortabler und bei unsicherem Wetter besser geschützt, sodass du den Ort die ganze Saison über voll geniessen kannst.

20 Jahre Alpleben

Seit 20 Jahren führen Virginie und Sébastien Sauthier die Alp mit viel Leidenschaft. Schon bei der Ankunft spürst du die familiäre Atmosphäre, für die Le Tronc bekannt ist. Hinter der Theke triffst du übrigens oft ihre Tochter Angeline, die gerne im Service mithilft. Alle packen mit an, und diese Einfachheit macht einen grossen Teil des Charmes aus. Ein paar Stufen führen hinunter in den Keller, wo die Käselaibe reifen, die seit Saisonbeginn hergestellt wurden. Mélanie wacht aufmerksam über sie. Die Käserin verbringt ihre neunte Saison in Le Tronc und ihre 23. im Beruf. Beim Blick auf die Käsereihen auf den Holzbrettern fasst sie ihr Handwerk schlicht zusammen: « Man muss sich immer wieder hinterfragen, sonst kommt man nicht weiter. » Nimm dir vor dem Aufbruch Zeit, die Produkte im Verkauf zu entdecken. Käse, Tommes natur oder mit Pfeffer, alter Käse, Sérac, handgemachte Joghurts, hausgemachte Würste und Trockenfleisch lassen das Erlebnis auch zu Hause noch etwas nachklingen.

Jeden Sonntag neue Aromen

Über die Jahre ist das Alpbeizli zu einem beliebten Treffpunkt für Stammgäste und Durchreisende geworden. Hier kannst du ein Plättli mit Käse, Trockenfleisch, Rohschinken, Speck und Roggenbrot teilen. Oder du geniesst eine Käseschnitte, ein Fondue oder ein Raclette (auf Reservation). Du kannst aber auch einfach die Ruhe und das Panorama auf dich wirken lassen. « Jeden Sonntag bieten wir ein anderes Menü an », erklärt Virginie Sauthier. Im Laufe des Sommers wechseln sich die Gerichte ab: Kartoffelgratin mit Kalbsbratwurst, Bauernschinken, Grilladen, Chicorée mit Schinken, Pouletcurry oder Raclette. Auch die hausgemachten Desserts wechseln von Woche zu Woche, zum Beispiel Himbeermousse, Tiramisu oder Früchtewähe. Ein guter Grund, wiederzukommen und die Alp von einer anderen Seite zu entdecken.

Stell dir deine Wanderung zusammen

Die Lage ist einer der grössten Trümpfe von Le Tronc. Von der Alp aus erreichst du durch die herrlichen Lärchenwälder an diesem Berghang ganz einfach den Col du Lein oder den Col des Planches. Gestalte den Tag ganz nach deinem Geschmack. Manche kommen nach Le Tronc, um zu essen, bevor sie weiterwandern. Andere treffen nach einer Wanderung ein oder gönnen sich einfach eine genussvolle Pause.

Über die Autorin

Romy Moret
Unabhängige Lokaljournalistin